

Haderlumpen
Ein Oberbayern Krimi

Kommissar Franz Josef Bernrieder soll den rätselhaften Tod einer jungen Frau aufklären, die leblos in einem luxuriösen Pool treibt. Doch die drei Herren, die sie in ihre Urlaubsvilla eingeladen hatten, erzählen ihm offenbar alle nur einen Bruchteil der Wahrheit.
Als einer von ihnen erschossen wird, nimmt der Fall Fahrt auf. Alle Beteiligten versuchen sich gegeneinander auszuspielen, bedauerlicherweise mit mäßigem Erfolg. Plötzlich ist von Erpressung die Rede, von falschen Identitäten, verschwundenen Frauen, und einem prall gefüllten Kryptokonto.
Ein verzwickter Fall, bei dem selbst Bernrieders berühmte Akribie an ihre Grenzen stößt – und bei dem die Wahrheit so trüb ist wie ein aufgewühlter Bergsee.
Haderlumpen
Ein Oberbayern Krimi
von
Olaf Maly
2026©Olaf Maly
Kapitel 2 (Auszug)
Es war eine ruhige Zeit in seinem Revier. Nichts schien die Eintracht und die Stille in den oberbayerischen Gefilden zu stören. Er genoss es, nicht gehetzt zu werden oder einen Fall lösen zu müssen, obwohl er sehr wohl wusste, dass diese Ruhe nicht lange andauern würde.
Gerade als er so nachdachte, wie es in seinem Leben weitergehen würde, läutete das Telefon.
Nein, ging ihm durch den Kopf, lass des bitte nicht des Revier sein. Das Letzte, was ich jetzt brauch, ist ein Mord.
Er sah auf den Bildschirm seines Handys und erkannte die Nummer nicht. Das war schon einmal positiv. Also bestätigte er die Verbindung und nannte seinen Namen.
»Hallo, lieber Franz, hier ist die Sybille, aus Dortmund. Erinnerst du dich an mich?«
Franz Josef Bernrieder hatte keine Ahnung, wer Sybille war. Sein Gehirn ging auf Alarmstufe Rot. Alle Namen und Begegnungen, die er jemals gehabt hatte, wurden in Sekundenbruchteilen durchforstet. Ohne Erfolg. In diesem Moment wünschte er sich, den Computer einzuschalten und das Register aller weiblichen Bekanntschaften der Vergangenheit elektronisch nachforschen [JE1] zu können. Aber es gab auch immer noch einen Plan B, wie man weiß. Er konnte einfach behaupten[a2] , dass er sie kannte.
»Aber sicher weiß ich, wer du bist, Sybille. Wie könnte ich dich jemals vergessen?«, sagte er so süffisant wie irgend möglich.
Er wollte keine Panik aufkommen lassen. Zwar hatte er sie offensichtlich vergessen, aber sie musste es ja nicht wissen. Sicher würde es ihm nun jede Sekunde einfallen. Kein Zweifel. Er zermarterte sich sein Hirn, immer wieder. Ja, alle, mit denen er die letzten Monate zusammen gewesen war, kamen gedanklich zurück, nur Sybille nicht.
»Du bist ein Lügner, Franz, das höre ich an deiner Stimme. Aber trotzdem mag ich dich. Oder vielleicht gerade deswegen. Ein bayerisches Urgestein.«
»Sybille, ich würd doch nie … Also wie kannst du nur …?«
»Franz, lass es gut sein. Ich bin wieder einmal hier bei einer Kur. Wenn du willst und nichts anderes vorhast, könnten wir uns doch sehen. Was meinst du?«
»Sybille, nichts lieber wie das. Wir könnten morgen auf den Zwiesel hochgeh’n und dort in der Bergwachthütte übernachten. Des sind nur so drei oder vier Stunden Marsch bergauf, nix Aufregendes. Es ist zwar ein bisserl einfach da oben, ich mein, nur so ein Holzbrett und so zum Schlafen, aber sicher sehr romantisch. Strom gibt’s auch keinen, nur Kerzen, was ja auch zur g’mütlichen Stimmung beitragen könnt. Oder, als zweite Möglichkeit, könnt ich dich jetz noch abholen, und wir geh’n zum Italiener. Da gibt’s einen neuen in der Nähe vom Kurhaus. Den wollt ich sowieso schon amal ausprobier’n. Und weil du die bayerische Küche ja nicht so gernhast, könnten wir des doch ganz einfach einplanen. Des mit dem Ausprobier’n, mein ich.«
Er wusste, dass alle, die aus dem Norden kamen, die bayerische Küche nicht so gern mochten, also nahm er das ganz einfach an, wenn er auch nicht wusste, ob es auf Sybille zutraf. Es war ein Versuch. Sollte es der Richtigkeit entsprechen, würde er Pluspunkte sammeln.
»Dann würd ich gleich noch ein paar Flaschen Sekt in meinem Kühlschrank verstauen, damit wir nicht verdursten, wenn wir nach dem Essen zu mir heimkommen. Also, Sybille, wie is es? Nummer eins oder zwei?«
»Du bist und bleibst ein Lump, Franz. Aber dass ich keine Gerichte mit Knödel und Kraut mag, das hast du gut erraten.«
»Das hab ich gewusst, meine Liebe. Also Version zwei?«
»Ich bin in einer halben Stunde fertig.«
»Und ich bin schon auf dem Weg.«
Der einsame Abend mit Sonnenuntergang und lauer Brise von den Bergen hatte sich noch zu einem besonderen Ereignis entwickelt. Man sollte nie aufgeben, kam Franz Josef Bernrieder in den Sinn, und ganz einfach die Segel richtig setzen.
